Erstellt von Perli am 14.05.2019

Local Bastards - Krone der Schöpfung / VÖ: 14.06.2019 via Rookies & Kings

Die vier Musiker aus der südhessischen Kleinstadt Gedern im Nordosten des Wetteraukreises haben sich im Laufe der letzten Jahre in die Herzen vieler Zuhörer gespielt und sich eine beachtliche Fanbase aufgebaut. 

Der markante Bandname – Local Bastards – ist  charakteristisch für den Sound: Punkrock trifft auf Alternativ mit Heavy Metal Einflüssen: dreckig, kompromisslos und abwechslungsreich, so lässt sich ihr Musikstil treffend beschreiben. Neben den deutschen Texten bedienen sie sich rasanten Gitarrenriffs und steinharten Drums und schaffen somit ein stabiles Fundament für ihr Schaffen.

Mit ihren deutlichen und teilweise sehr gesellschaftskritischen Texten überzeugen sie nicht nur auf CD sondern definitiv auch live, was sie jüngst zum Festivalauftakt beim RuhrRockRausch in Oberhausen zu Genüge unter Beweis gestellt haben. Die Musiker rocken mit ihren Songs bereits seit 2012 jede Bühne rauf und runter.  

Bandbesetzung:
Julian Stahnke – Gesang/ Rhythmusgitarre
Ronny Pöhner – Leadgitarre
Michael Herbst – Bass 
Tobias Eifert – Schlagzeug

Bereits mit den ersten drei Alben hat die Band hohe Maßstäbe gesetzt und mit Krone der Schöpfung wird jetzt nachgelegt. Ich hatte die Ehre, gute vier Wochen vor Veröffentlichung ausgiebig in die neue Platte rein zu hören, und was soll ich sagen?! 

Thank you Lord for the Local Bastards! 


Tracklist:

  1. Ihr werdet uns nicht los
  2. Rattenfänger
  3. Von der Wiege bis zur Bahre
  4. Alles oder nichts
  5. Ein Teil von mir
  6. Segen und Fluch
  7. Droge der Idioten
  8. Krone der Schöpfung
  9. Priester
  10. Die Lüge deines Lebens
  11. Spiegelbild
  12. Paranoid
  13. Ohne jeden Zweifel (2019) 
  14. Heile Welt (2019)

„...Wir holen aus zum nächsten Schlag und niemand wird verschont! … “ 

Sie sind wieder da und die Fäuste zum Bastard Rock'n' Roll gehen auf's Neue hoch. Mit dem Opener „Ihr werdet uns nicht los“ geben die Musiker gleich von Beginn an Vollgas und meldet sich mit einer klaren Ansage zurück. 

„... Ihr seid nur Rattenfänger auf der Jagt nach Idioten...“ 

Und da sind sie wieder- so ehrlich, direkt und kritisch wie nur wenige! Mit der ersten SINGLEAUSKOPPLUNG „Rattenfänger“ vom 14. März haben die Local Bastards eine Punktlandung gemacht! Was ein Brett- was ein Ohrwurm!    

Und auch mit dem dritten Track positionieren sich die Jungs ziemlich eindeutig. Zu allem Ja und Amen sagen, das ist nicht im Sinne der "Mistkerle" aus Hessen. Ganz im Gegenteil: immer geradewegs frei raus, auch wenn's weh tut! „... Kein Geheuchel und keine Gnade, von der Wiege bis zur Bahre!...“  Eine Ansage an alle Pisser Wichtigtuer, Besserwisser und Heuchler, die es bis dato immer noch nicht verstanden haben: FUCK YOU bis ans Ende eurer Tage!

„ … Wir schlagen zu mit voller Kraft und erobern dieses Land! ..“ 

Mit etwas mehr Tempo startet „Alles oder nichts“. Und auch hier juckt der Mittelfinger und es wird auf alle Kompromisse geschissen. Mit dem Kopf durch die Wand und unaufhaltsam gehen die Local Bastards immer nur den geraden Weg, denn nur wer kämpft kann auch verlieren. Musikalisch ebenso wie textlich eine starke Nummer, und spätestens jetzt sollte jedem klar sein, wo die diese Band einzuordnen ist! Grandios ist unumstritten auch der mehrstimmige Gesang.

„ … Ich denke gern an diese Zeit, Bilder der Vergangenheit, 
die gehören nur mir allein, 
egal wer die Geschichte schreibt, die Erinnerung sie bleibt, 
sie bleibt ein Teil von mir! …“

Dominiert von Schlagzeug und Gitarre wird ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Bilder aus alten Zeiten, durchzechte Nächte, Gesichter alter Freunde, all das was einen im Laufe der Zeit geprägt hat wird im fünften Titel besungen. 

„... mehr als dein Dealer hergibt...“ 

Anhand „Segen und Fluch“ heißen uns die vier Musiker Willkommen in ihrer Welt! Hier ist alles, was du brauchst und was du suchst! Die Band, die mit dem Teufel dealt ist zurück und das Leidbild der Jungs zieht sich wie ein roter Faden durch jeden einzelnen Song! 

„Droge der Idioten“ und das kraftvolle „Krone der Schöpfung“ folgen. Im zuerst genannten geht es um „...den Rausch in Episoden..., um das Futter für Beschränkte...“, kurzum: um die Dummheit in HD, sollte also klar sein, was das bedeutet! Der Song öffnet hoffentlich all den Kleingeistern, die vom Bildschirm manipulier sind und mittlerweile fernab jeder Realität leben, die Augen. 

„ … Der Mensch und die Zerstörung ist ein alt bekanntes Spiel
unsere Waffe der Verstand, unsere Hand das Projektil
Wir sind das Laster dieser Erde, ficken unseren Lebensraum.
Sind wir die Narren unserer eigenen Art oder nur ein böser Traum?
Die Welt liegt uns zu Füßen und wir treten kräftig rein,
die Krone der Schöpfung geben wir vor zu sein! ...“ 

Wie kann das sein? Sehr sozialkritisch wird im Titeltrack über die Besessenheit der Menschen, die nur zu gern den Mantel der Habgier tragen, geurteilt!  

Die zweite SINGLEAUSKOPPLUNG „Priester“ hat schon direkt nach Erscheinen am 19. April, vor allem auch durch das Video, für viel Furore gesorgt. Darf man das? Geht das nicht zu weit? Ist das nicht zu makaber? Ich persönlich sage laut und deutlich: NEIN! Es ist Zeit, dass endlich mal lautstark darauf aufmerksam gemacht wird! Auf das, was viele nicht sehen wollen: den Missbrauch von Vertrauen und Macht der Kirche- eure Scheinheiligkeit lässt grüßen! Gotteshäuser, egal welcher Religion, sollten ausschließlich Orte der Zuflucht sein und keinen Raum für Missbrauch oder Peinigung bieten! Über Jahrzehnte hat die katholische Kirche sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen geduldet und verschwiegen, unter dem Deckmantel des Zölibats ( = religiös begründete Standespflicht, …,  sexuell enthaltsam zu leben... ) wurde vergewaltigt, gepeinigt und missbraucht. Die Opfer: meist Kinder – Schutzbefohlene Gottes! 

„… Völlig ungestört in ihrem eigenen System 
ist es keine Sünde, sich an Kindern zu vergehen. 
Im Namen des Herren der Barmherzigkeit, 
strafen sie unschuldiges Leben mit Schmerz und Leid. ...“ 

Das Video zum Song ist zugegebenermaßen nichts für schwache Nerven, unterstreicht aber nocheinmal die Abartigkeit des Themas und gehört meiner Meinung nach ganz klar an die Öffentlichkeit! 

Es folgt Song Nummer zehn: Wenn die  Wahrheit zur Waffe wird und „Die Lüge deines Lebens“ dich mit gespaltener Zunge in der Hand hat, dann ist dein Schicksal besiegelt. 

„... Gefangen in dir bist du dein eigener Feind...“ 

„Spiegelbild“ fesselt mich vom ersten Ton an. Sowohl musikalisch als auch textlich. Der melodische Song mit extrem tiefsinniger Botschaft und Julians Stimme berührt ganz tief! Wirf selbst mal einen Blick in den Spiegel, tief in deine Seele, in dein wahres ich! Ein wahrlich bewegender Song! 

„ … Hier ist all das, was du selbst an dir hasst, 
hier sind deine Hürden, die du wieder nicht schaffst.
Deine dunkle Seite verkümmert im Licht ,
in deinem Spiegelbild siehst du dich. ...“ 


Fast schon mystisch und in den ersten 50 Sekunden mit Streichern hinterlegt ist „Paranoid“ ein rein instrumentaler Song, den man, meiner Meinung nach, auch hätte weg lassen können. Mir fehlt halt hier einfach der Gesang. 

Das neue Album schließt mit zwei alt bekannten Titel vom Debütalbum Ohne jeden Zweifel aus dem Jahre 2014: „Ohne jeden Zweifel“ und „Heile Welt“ wurden für die Krone der Schöpfung 2019 neu aufgenommen.

Selbstbewusst, ja fast schon arrogant strotzen die Bastards hier allem und jeden und scheißen auf das Gerede der Leute.  

„... ich hab keinen Zweifel ich bin besser als der Rest,
scheiß auf alles, scheiß auf dich und dein Gesetz!
Weder Teufel noch Tod halten mich als ihre Geisel
ich bin am Limit, ich bin ohne jeden Zweifel!...“ 

Im letzten Song wird es dann nochmal sozialkritisch. Wenn aus Menschen Attentäter werden, und der Glaube an das Gute versagt hat, dann sollte uns das allen zu denken geben: 

 „ … ich scheiß auf eure heile Welt, 
die hat mich noch nie interessiert. 
Ihr glaubt, dass ihr in Freiheit lebt, 
die hat hier noch nie existiert. ...“ 


Fazit: Die Local Bastards - eine der authentischsten Bands, die ich kenne. Eine zurecht spitze Zunge, Leidenschaft und Herzblut gepaart mit einer geballten Ladung Bastard Rock ‘n‘ Roll, das ist es, was diese Band ausmacht! Textlich für einige vielleicht oftmals grenzwertig, aber ich persönlich liebe genau das! Viel zu oft wird nur drum herum geredet oder alles einfach weg gelächelt, hier aber finden wir absolut ehrliche und sehr direkte Worte! Die Band spricht ohne Umschweife geradeheraus, was viele nur vage andeuten oder gar stumm schweigen und das ohne Scheu, jemandem auf die Füße zu treten. 
Wo bei anderen die Schmerzgrenze längst erreicht ist, da fangen die Bastarde erst an und dafür sollte man ihnen die Welt zu Füßen legen! Und auch musikalisch ist auf der Krone der Schöpfung alles stimmig und auf hohem Niveau! 

Für mich ist es ist schwierig, eigentlich fast unmöglich, hier einen Favoriten auszumachen! Viel zu lang blieben die Local Bastards vor mir verborgen – so  etwas darf einfach nicht passieren! 

 „…unantastbar bis auf Blut, nichts kann mich zerstören...“ 
Perli 
AGF- RADIO 

Discografie:
Ohne jeden Zweifel (2014/ Eigenregie)
Stumme Schreie (2016/ MetalSpiesser)
Tod oder Freiheit (2018/ MetalSpiesser)